domenica 10 marzo 2013

ci vuole fantasia


“Un bel giorno nacque questa democrazia, che a farle i complimenti ci vuole fantasia.“

„Und eines schönen Tages wurde diese Demokratie geboren. Um ihr Komplimente zu machen, braucht es Fantasie."


Giorgio Gaber

Cari amici, 

schon vor zehn Jahren, kurz vor seinem Tode, hat der Mailänder Liedermacher Giorgio Gaber dem weitverbreiteten Unbehagen über das politische System der italienischen Republik mit dem Lied “io non mi sento italiano“ (ich fühle mich nicht italienisch) ein musikalisches Denkmal gesetzt.

“Mi scusi Presidente 
ma questo nostro Stato
che voi rappresentate
mi sembra un po' sfasciato.
E' anche troppo chiaro
agli occhi della gente
che tutto è calcolato
e non funziona niente.
Sarà che gli italiani
per lunga tradizione
son troppo appassionati
di ogni discussione.
Persino in parlamento
c'è un'aria incandescente
si scannano su tutto
e poi non cambia niente.“ 

„Verzeihung, Herr Präsident 
aber dieser unser Staat,
den Ihr repräsentiert,
scheint mir etwas zertrümmert.
Es liegt auch für
jedermann auf der Hand,
dass alles nur berechnet ist
und dabei nichts funktioniert.
Vielleicht sind die Italiener
aus langer Tradition
viel zu leidenschaftlich
bei jeder Diskussion dabei.
Selbst im Parlament
herrscht eine hitzige Atmosphäre,
sie zerfleischen sich wegen allem
und dann ändert sich nichts.“



Sicherlich habt ihr davon gelesen und gehört: vor zwei Wochen hat Italien gewählt. Mit großem Befremden habe ich die Reaktionen der deutschen Politik und die Berichte aus den deutschen Medien auf das Phänomen Beppe Grillo aufgenommen. Bei gewissen Berichten deutscher Korrespondenten in Italien frage ich mich immer öfter, ob die Autoren dieser Artikel wirklich in Italien sind. Ob sie wirklich aus dem gleichen Land berichten, in dem ich nun seit sechseinhalb Jahren lebe. Oftmals zeugen diese Berichte von einer Oberflächlichkeit und Unkenntnis, die wirklich erschütternd ist. Es gibt auch positive Ausnahmen, aber leider nicht viele. Vielleicht meinen die Korrespondenten, es wäre ausreichend, sich mit ausgewählten italienischen Journalisten und vermeintlich linken Politikern zu unterhalten, um die italienische Wirklichkeit zu verstehen und anschließend beurteilen zu können.
Ich seh das alles irgendwie anders. Und da ich Euer Mann vor Ort bin, lasse ich Euch nun auch wissen, wie ich die Sache sehe. Ich bin auch hochmütig genug, zu behaupten, ich könne viele Sachen besser verstehen als viele der Kollegen Korrespondenten. Immerhin lebe ich komplett im System Italien und berühre es nicht nur von außen. Das Wahlergebnis ist in meinen Augen eine einmalige Chance, viele Dinge in Italien zum Besseren zu ändern. 

La casta 

Im Jahre 2007 erschien in Italien ein Sachbuch, das ausführlich das von Korruption, Vetternwirtschaft und Ausplünderung durch die politische Klasse beherrschte System beschreibt. Der Titel des Buches, das sofort zu einem Bestseller avancierte, hat dieser politischen Klasse den wohlverdienten Namen gegeben: La casta – die Kaste.
Italien wird beherrscht von einer Kaste machtbesessener Politiker, die ihre einzige Aufgabe darin sehen, sich den einmal erkämpften Zugang zu Geld und Privilegien für möglichst lange zu sichern und sich während dieser Zeit die Taschen möglichst voll zu stopfen. Im Buch werden fortlaufend Beispiele genannt, aus denen zum Beispiel hervorgeht, dass Italien sich pro Kopf ungefähr doppelt so viele Abgeordnete leistet wie Deutschland und dass diese Abgeordnete dann auch in etwa das Doppelte ihrer deutschen Kollegen verdienen. Die Parteien, die dieses System beherrschen, haben dabei in den letzten Jahrzehnten jedes Maß verloren und ein landesweites System von Ämtern und Verwaltungen ausgebaut, dass vor allem dazu dient, möglichst viele Freunde und Verwandte verdienter Parteigenossen mit unnützen Posten zu versorgen. Grundsätzlich gilt den Parteien der Staat nicht als Instrument der Steuerung der öffentlichen Sache, sondern als Beute, die es maximal auszunutzen gilt.
So lange es in Italien wirtschaftlich gut lief, wurde dieses System noch toleriert. Doch mittlerweile leidet das Land unter einem seit Jahren anhaltenden langsamen Niedergang, der von den verantwortungslosen Politikern kaum wahrgenommen, geschweige denn bekämpft wird. Da aber Verschwendung, Korruption, Bürokratie und Vetternwirtschaft nicht eingedämmt werden, erhöht die Kaste in ihrer Ignoranz noch das bestehende Problem. Der italienische Kuchen wird eher kleiner und die Kaste will ein immer größeres Stück haben. Die Schulden- und Steuerlast, die auf Italien lastet, wächst auch deshalb immer weiter. Und mit jedem neuen Skandal, und davon habe ich ja selbst schon einige beschrieben, der so gut wie nie zu Konsequenzen in Form von Rücktritten oder gar Gesetzesänderungen führt, entfernt sich die Kaste zudem noch ein Stück weiter vom Wähler.
Rücktritte deutscher Politiker, wie zum Beispiel der von Christian Wulff, wurden von vielen Italienern mit Bewunderung aufgenommen. Bewunderung darüber, wie „wenig“ in Deutschland manchmal ausreicht, um zum Rücktritt gezwungen zu werden. Natürlich herrscht dann auf der italienischen Seite eine durchaus verklärte Sicht auf die deutsche Politik und Zivilgesellschaft vor. Aber diejenigen in Deutschland, die glauben, im Grunde sei doch in Deutschland die politische Situation nicht anders, kennen nicht die italienischen Dimensionen.
Im Italienischen gibt es eine Redewendung, wonach ein Seil irgendwann zerreißt, wenn man zu sehr daran zieht. Ähnlich wie der deutsche Geduldsfaden. Offenbar fehlt nicht mehr viel, dann wird das Seil reißen. Die Leute in Italien haben es satt, dass sie seit Jahrzehnten immer die gleichen Gesichter präsentiert bekommen, die nicht den kleinsten Finger rühren, um etwas für das Land zu tun, sondern nur Scheindebatten führen, die nicht die Probleme des Landes betreffen und dafür in einer Art und Weise abkassieren, die in der westlichen Welt ihresgleichen sucht. Während reihenweise Unternehmen schließen und die Arbeitslosigkeit ungebremst ansteigt, während die Industrieproduktion sinkt und die Steuerlast steigt, diskutiert die Politik Fragen, welche Rolle zukünftig der Staatspräsident spielen solle oder überlegt ernsthaft, dass man am besten noch eine vierte Berufungsinstanz einführen sollte. Das käme nämlich wiederum dem Teil der Kaste entgegen, der in strafrechtliche Schwierigkeiten geraten ist. 

Partito democratico 

In deutschen Medien wird dann der Anschein erweckt, dass an alledem ja nur der böse Berlusconi Schuld sei. Dem ist aber nicht so. Es gibt ein parteiübergreifendes, stillschweigendes Einverständnis darüber, dass sich möglichst nichts ändern soll. So ist zum Beispiel nie ein lange gefordertes Gesetz zum Interessenkonflikt verabschiedet worden. Auch dann nicht, als Mitte-Links an der Macht war. Der Grund ist ziemlich einfach. Ein solches Gesetz würde ja nicht nur Berlusconi treffen, sondern auch alle anderen Politiker, die gleichzeitig mehrere Positionen innehaben, deren Interessen sich widersprechen. Und dieses Problem ist tatsächlich nicht nur ein italienisches.
Die Rolle des Partito Democratico (PD, die „Demokratische Partei“, die in Deutschland gern als sozialdemokratisch bezeichnet wird) ist in diesem Zusammenhang extrem zweifelhaft. Auf der einen Seite präsentiert sie sich als Reformkraft, die gewillt ist, Italien zu modernisieren, zu demokratisieren und für soziale Gerechtigkeit einzutreten. Auf der anderen Seite tut sie nichts, wenn sie die Gelegenheit dazu hat. Und manchmal tut sie noch das genaue Gegenteil. Als Mitte-Links von 2006-2008 an der Macht war, wurden sogleich die Stellen in der Spitze des öffentlichen Rundfunks RAI mit ergebenen Leuten besetzt. Was Berlusconi einige Jahre vorher vorgeworfen wurde, wurde unter anderen Vorzeichen wiederholt. Eine Begründung dafür habe ich persönlich von einer PD-Aktivisten erhalten: „Das haben die anderen doch auch gemacht!“ Und genau nach dem Motto entsteht ein Wettbewerb nach unten. Negative Aspekte der Gegenseite werden nicht etwa präsentiert, um es besser zu machen und den Gegner alt aussehen zu lassen. Nein, sie werden als Begründung genutzt, um es genauso zu machen.
Und es zeigte sich auch gerade während der Mitte-Links-Regierung unter Prodi, wie wenig man sich um demokratische und rechtsstaatliche Grundsätze kümmerte. Darüber habe ich bereits vor fünfeinhalb Jahren geschrieben (klick!). Ich erinnere: der Angriff auf Rechsstaat und Meinungsfreiheit kam damals aus den Reihen der (Vorgängerpartei der) PD.
Im Jahre 2005 hat die Mitte-Rechts-Koalition ein neues Wahlgesetz erlassen, dass von der Opposition aufs Schärfste kritisiert wurde. In Italien wird das Gesetz Porcellum genannt, weil sein eigener Verfasser, der Lega-Nord-Politiker Roberto Calderoli, es als porcata (Schweinerei) bezeichnet hatte. Durch dieses Wahlgesetz wurde festgelegt, dass 340 der 630 der Sitze im Unterhaus (Camera) an die siegreiche Koaltion gehen. Koalitionen bilden sich in Italien bereits vor den Wahlen und treten dann gemeinsam an.
Dank dieser Situation hat Mitte-Links im neuen Unterhaus die absolute Mehrheit, obwohl nur 29,5% der Wähler für diese Koalition gestimmt haben. Übrigens ist Italien bei dieser Wahl nur äußerst knapp an der Wiederauferstehung Berlusconis vorbeigeschrammt. Seine Koalition hatte immerhin 29,2% der Stimmen. Nur 125.000 Stimmen trennen die beiden Lager. Wäre die Vertreterin der deutschsprachigen Minderheit, die Südtiroler Volkspartei, wie bei den Wahlen 2008, neutral geblieben, hätte Berlusconi heute die Mehrheit in der Camera. Aber die SVP hatte sich im Vorfeld der Wahl der Mitte-Links-Koalition angeschlossen und knapp 147.000 Stimmen geholt.
Auf eine kompliziertere Art und Weise werden vom Wahlgesetz die Sitze im Oberhaus (Senato) verteilt: jede Region hat eine bestimmte Zahl von Sitzen. Und die relativ stärkste Koalition in einer Region bekommt die absolut meisten Sitze, die der Region zustehen. Daher hat die PD nur in der Camera eine Mehrheit, nicht aber im Senato.
Die merkwürdige „Mehrheitsprämie“ des Wahlgesetzes sollte für regierungsfähige Mehrheiten sorgen, sie ist aber nur ein Aspekt dieses Wahlgesetzes. Der andere Aspekt ist, dass das Wahlgesetz das Konzept „Wahlkreis“ praktisch abgeschafft hat. Die Abgeordneten werden von den Parteizentralen auf Listenverbindungen gesetzt, auf die die lokalen Parteiverbände und die Wähler keinen Einfluss mehr haben. Damit haben die Parteizentralen die Möglichkeit, unbequeme Kandidaten auszuschließen und die anderen zu disziplinieren. Für die Abgeordneten gibt es damit schließlich keine Motivation mehr, sich vor Ort blicken zu lassen und sich mit ihren Wählern zu beschäftigen.
Worauf ich hinaus will: das Gesetz hat die Kastenbildung noch verstärkt, führt zu zweifelhaften Zusammensetzungen des Parlaments und wurde heftig von Mitte-Links kritisiert, solange Lippenbekenntnisse ausreichten. In den Jahren der Prodi-Regierung 2006-2008 wurde dann kein Finger gerührt, um etwas zu ändern. Es war der Mitte-Links-Führung offensichtlich nur recht, dass sie die Posten nach Belieben verteilen konnte, ohne auf irgendwen und irgendwas Rücksicht nehmen zu müssen.
Und noch ein weiteres Beispiel: in vagen Andeutungen bekennt sich die PD schon seit längerer Zeit zum Abbau unnötiger Strukturen, welcher die Staatskasse entlasten könnte. So gibt es schon seit längerer Zeit den Vorschlag, die Provinzen aufzulösen und die Kompetenzen den übergeordneten Regionen und den untergeordneten Gemeinden zu übertragen, die das locker miterledigen könnten. Laut einigen Berechnungen, die wahrscheinlich übertrieben optimistisch sind, könnte man auf diese Art jährlich 17 Milliarden Euro einsparen. Im Juli 2011 brachte eine kleinere Oppositionspartei diesen Vorschlag auf die Tagesordnung und es bot sich die Mehrheit, eine entsprechende Regelung durchzubringen. Berlusconi war dagegen, konnte sich aber seiner eigenen Mehrheit nicht sicher sein. Wieder einmal zeigte die PD ihr wahres Kasten-Gesicht, enthielt sich der Stimme und sicherte so Berlusconis Regierung die Mehrheit. Grund: PDL (Berlusconis-Partei), Lega Nord und PD brauchen die Provinzen, um ihren Parteisoldaten gutbezahlte und arbeitsarme Ämter zu sichern.
Um es kurz zusammenzufassen: bloß weil sich die PD „demokratisch“ nennt, heißt das noch lange nichts. Es gab auch mal eine „Deutsche Demokratische Republik“, die ähnlich anmaßend mit diesem Attribut umging. Die PD ist eine Partei, die bisher regelmäßig alle Hoffnungen enttäuscht hat und ebenfalls regelmäßig in Korruptionsfälle verwickelt ist. Sie ist lediglich das kleinere Übel gegenüber Berlusconis Koalition. Beppe Grillo, zu dem ich gleich kommen werde, gesteht ihr vermulich nicht einmal das zu. In Anspielung auf Berlusconis PDL nennt er sie PDohneL. Meine Einschätzung ist, dass die PD am Ende alles das macht, was auch Berlusconis PDL macht, nur mit mehr Niveau und mit ein bisschen schlechtem Gewissen, weil sie mitunter an ihre idealistische Parteibasis denkt. 

Beppe Grillo Teil 1 

Aus den vielen Berichten, die nach der Wahl veröffentlich worden sind, kommt stark die Überraschung über das starke Abschneiden von Beppe Grillos neuer 5-Sterne-Bewegung (Movimento 5 Stelle) zum Ausdruck. Dabei kommt der Erfolg Grillos überhaupt nicht überraschend. Die Verärgerung über das oben beschrieben politische System, dessen Protagonisten sich nur noch mit sich selbst und nicht mit den immer größeren Probleme des Landes beschäftigen, ist mittlerweile im Land so weit verbreitet, dass man schon blind oder taub sein muss, um das nicht wahrzunehmen. Daher auch meine Verwunderung über das Erstaunen unter den deutschen Journalisten.
Und genauso verwundert bin ich auch über das Abkanzeln Beppe Grillos als Clown, Schreihals und Populisten. Dabei gab es schon vor sieben Jahren Artikel in der deutschen Presse, die das Phänomen Beppe Grillo ohne Vorurteile beschrieben. Den entsprechenden Artikel habe ich in meinem ersten Artikel über Beppe Grillo (klick!) bereits verlinkt, gern tue ich es noch einmal: http://www.zeit.de/2006/04/Grillo
Beppe Grillo als Populisten zu bezeichnen, deutet daraufhin, dass man seine Kenntnisse vor allem aus den weitgehend gleichgeschalteten italienischen Medien bezieht, die sehr eng mit der politischen Kaste verflochten sind. Besonders die Politiker der PD und die mit ihr verbundenen Medien (La Repubblica und L'Espresso oder die entsprechenden RAI-Sendungen beispielsweise) haben es sich seit dem Auftreten Beppe Grillos zur Aufgabe gemacht, dessen Bewegung zu diskreditieren und ihr Populismus vorzuwerfen. Dabei hat Beppe Grillo sehr konkrete und wichtige Projekte, für die er sich eingesetzt hatte. Aber diese Projekte griffen eben die politische Kaste an.
Zweimal hat Beppe Grillo einen V-Day veranstaltet, eine in mehreren Städten gleichzeitig stattfindende Demonstration mit Unterschriftensammlung, um das Parlament zu zwingen, sich mit den Vorschlägen Grillos zu befassen. Wichtigster Teil der Vorschläge war 2007 die „Reinigung“ des Parlaments von rechtskräftig verurteilten Straftätern unter den Abgeordneten. Dies ist ein speziell italienisches Phänomen, was in keinem anderen europäischen Land denkbar ist. Zu einer Reihe endgültig Verurteilter kommt noch eine hohe Zahl an Abgeordneten, die bereits in ersten Instanzen verurteilt wurden, aber noch die letzte Berufungsinstanz abwarten. Die höchste Verurteiltenquote haben die Mitte- und Rechtsparteien UDC (mit der Professor Monti sich für die Wahlen zusammengetan hat) und Berlusconis PDL. Aber auch die PD ist davon nicht frei. Obwohl die nötige Unterschriftenzahl zusammenkam, hat sich das Parlament unter Missachtung der Rechtslage bis heute nicht mit den vorgebrachten Themen befasst.
Beim zweiten V-Day ging es um die Erzwingung von Volksabstimmungen mittels Unterschriftensammlungen. Ziel war die Aufhebung gesetzlicher Regelungen, die der Pressefreiheit in Italien entgegenstehen. Beispielsweise wollte Grillo die staatliche Zeitungsfinanzierung aufheben, um die Einflussnahme der Politik zu beenden. Ebenso wollte er die Journalistenkammer abschaffen. In Italien darf man als Journalist nur tätig werden, nachdem man eine staatliche Prüfung bestanden hat und in die Journalistenkammer (ähnlich einer Rechtsanwaltskammer) aufgenommen wurde. Dieses Instrument zur medienpolitischen Steuerung wurde in den dreißiger Jahren unter Mussolini eingeführt und existiert, einmalig in Europa, noch heute. Laut Grillo kamen 1,3 Millionen Unterschriften zusammen, 500.000 waren nötig, um das Referendum zu erzwingen. Das höchste italienische Gericht hat allerdings mehrere hunderttausende Unterschriften nicht anerkannt, womit das Vorhaben gescheitert ist.
Im Jahre 2009 hat Beppe Grillo schließlich das Movimento 5 Stelle gegründet, eine Art Bürgerbewegung, die sich zum Ziel setzt, bestimmte Projekte, wie die oben beschriebenen zu verwirklichen. Seit Anbeginn wird diese Bewegung von der italienischen Politik und den Medien entweder ignoriert oder pauschal verunglimpft. Wer mag, kann sich gern selbst ein Bild machen. M5S hat ein konkretes Programm, dass auch auf deutsch abgerufen werden kann: http://www.movimentocinquestelle.eu/documenti/programma-de.pdf
M5S sieht sich als eine Art Plattform, auf der Ideen von jedermann ausgetauscht und Vorschläge erarbeitet werden können. Das Internet ist dabei die Grundlage, die bisher ungekannte Möglichkeiten der Kommunikation und den Bürgern eine völlig neue Teilhabe an der Politik bietet.
Wer sich jetzt über den Erfolg des M5S wundert, hat anscheinend die ganzen letzten Jahre verschlafen, in denen sich die Bewegung Beppe Grillos entwickelt hat. Von Jahr zu Jahr hat Beppe Grillo bei seinen Auftritten Theater und Plätze gefüllt. Und ab 2010 hat M5S langsam aber stetig Wahlerfolge errungen. Bei einigen Kommunalwahlen im Mai 2011 schaffte das M5S den Einzug in mehrere Gemeinderäte. Seit Mai 2012 stellt das M5S beispielsweise mit Parma erstmals den Bürgermeister einer Großstadt. Und im Oktober 2012 wurde das M5S die stärkste politische Gruppierung bei den Regionalwahlen in Sizilien.
Nun sitzt das M5S also im italienischen Parlament und sorgt dort für frischen Wind. Bereits jetzt ist klar: unter den M5S-Abgeordneten gibt es niemanden, der Probleme mit der Justiz hat. Sie sind außerdem die jüngsten Abgeordneten und die mit dem höchsten Bildungsgrad.

Füllt die Plätze Italiens: vor zwei Jahren war ich bei Beppe Grillos Auftritt in Cento dabei

Beppe Grillo Teil 2 

Und nun werde ich Beppe Grillo von dem Thron holen, auf den ich ihn bisher durch meine Beschreibungen gesetzt habe. Denn kritisieren kann und muss man ihn schon, nur bitte mit Argumenten, nicht mit Schlagwörtern.
Meiner Meinung nach hat das M5S nur dann eine wirkliche Chance, wenn es es schafft, sich von seinem Übervater Beppe Grillo zu emanzipieren. Es ist klar, dass ohne Grillos Popularität und seinen jahrelangen Einsatz das M5S niemals entstanden wäre, geschweige denn den aktuellen Erfolg erreicht hätte.
Gerade eine Bewegung, die sich für eine umfassende Demokratisierung der italienischen Politik einsetzt, muss in dieser Hinsicht mehr als nur Vorbild sein. Und gerade hier zeigt sich, dass die Einflussnahme Grillos auf das M5S problematisch wird. Erstmals deutlich wurde das im März 2012, als der ferraresische Gemeinderat Valentino Tavolazzi, der vom M5S unterstützt wurde, von Beppe Grillo aus der Bewegung ausgeschlossen wurde. Begründet wurde das mit Versuchen Tavolazzis die „Bewegung“ umzuorganisieren, letztendlich wohl in Richtung „Partei“. Und da Grillo die Parteien abschaffen will, kann M5S niemals eine Partei sein. Offenbar stellte Tavolazzi auch Fragen zur Rolle Grillos im M5S der Zukunft.
Als der Ausschluss Tavolazzis von der Ortsgruppe Cento des M5S kritisch hinterfragt wurde, bekam diese Post von Grillos Anwalt. Ihr wurde das Recht entzogen, Namen und Symbol des M5S zu verwenden. Diese sind nämlich eine eingetragene Marke, die Beppe Grillo gehört. Und damit sind wir schon am Kern des Problems. Das M5S ist keine Partei, sie hat keine Mitglieder. Das M5S sieht sich als Plattform. Unter seinem M5S versammeln sich engagierte Bürger, um gemeinsam etwas zu erreichen. Und über allem wacht Beppe Grillo. Die auf dem Foto oben versammelten M5Sler aus Cento sind mittlerweilse nicht mehr Teil der Bewegung.
Und ebenfalls raus sind zwei bolognesische M5Sler, die sich im Herbst 2012 kritisch zur inneren Demokratie in der Bewegung geäußert haben. Grillo zeigt sich kompromisslos. Abweichler sieht er als potenziell zerstörerisch für die Bewegung und sein Projekt des vollkommenen Umbaus des politischen Systems an. Aktuell lehnt er daher auch jede Zusammenarbeit mit der PD in Form einer Regierungsbildung ab. Er meint, er möchte der PD nicht als verlängerter Arm beim Erhalt der Parteienherrschaft behilflich sein. 

Finale 

Und dennoch bin ich nach dem Wahlergebnis noch guter Hoffnung. Die neuen Verhältnisse zwingen sowohl M5S als auch PD dazu, Farbe zu bekennen. Es wird keine Ausflüchte mehr geben. Vorschläge des M5S, die auf positive Resonanz bei der PD-Anhängerschaft treffen, werden von der Parteiführung nicht mehr einfach abgewiesen werden können. Die PD wird sich nicht mehr hinter irgendwelchen Verhältnissen verstecken können, die ihr aus diesem oder jenem Grund Reformen unmöglich machen würden. Denn dies oder eine Zusammenarbeit mit der PDL würde sie endgültig unglaubwürdig machen und sie bei den nächsten Wahlen sehr teuer zu stehen kommen. Bereits die Unterstützung der Regierung Monti hätte die PD beinahe den knappen Wahlsieg gekostet. Denn auch Montis Bilanz ist kläglich. Reformen kamen so gut wie keine zustande. Dabei wollte er durchaus auch die Kaste einen Beitrag leisten lassen, kam damit aber natürlich nicht durch das Parlament. Lediglich mit Steuererhöhungen konnte Monti die Staatspleite abwenden.
Die derzeitige Situation scheint verfahren, weil keiner eine Regierung bilden kann. Das M5S sieht keine Vertrauensgrundlage, um mit der PD, die bis zum Wahltag gegen Grillo und das M5S gehetzt hat, eine Regierung zu stellen. Es wird sich jedoch nicht aus der Verantwortung stehlen können, wenn es die Gelegenheit bekommt, einige seiner Forderungen umzusetzen. Denn das würde das Ende des Projekts M5S bedeuten. Wir werden sehen, ob alle Beteiligten genug Fantasie aufbringen, um eine tragbare Lösung zu finden, die Italien voranbringen wird.
Nach dieser ausführlichen Berichterstattung meinerseits melde ich mich wieder ab, wünsche Euch einen schönen Frühling und überlasse Euch wieder den von mir so kritisierten Journalisten der deutschen Medien. Was mich dabei so besonders erschüttert, ist, dass die Unkenntnis und Oberflächlichkeit schon so groß ist, wenn es sich um ein nahes und befreundetes Land wie Italien handelt. Ich frage mich in solchen Momenten, was ich von dem glauben soll, was uns über Länder wie Syrien, Iran oder Nordkorea erzählt wird.

Naja, das mit dem Frühling war wohl nichts.

domenica 17 giugno 2012

scosse

Cari amici,
 
wenn man von meinem 2010er Rätsel mal absieht, habe ich Euch vor zweieinhalb Jahren zum letzten Mal von meinem Leben in Italien berichtet. Eigentlich wollte ich es damals dabei belassen. Es gab dafür verschiedene Gründe. Heute werde ich mich über diesen Entschluss hinwegsetzen. Es hat sich in den letzten Wochen ein bisschen Stoff angesammelt, den ich interessant genug finde, um Euch davon zu berichten.

Cento

Aber dazu später. Zuerst einmal kommt nach lediglich 19,5 Monaten die Auflösung des Rätsels. Die Stadt, die von einem berühmten Durchreisenden beschrieben worden war, ist natürlich Cento. Und der berühmte Durchreisende war natürlich niemand anderes als Johann Wolfgang von Goethe, der auf seiner „Italienischen Reise“ im Oktober 1786 in Cento Station gemacht hatte. Die 100 Sympathiepunkte für die schnellste Lösung gingen nach Amerika.


Goethes Worte über Cento findet man auf dieser Tafel unter den Arkaden zwischen Piazza und Pinacoteca
Da wohl nicht jeder Cento kennt, werde ich Euch diese emilianische Kleinstadt nun vorstellen. Die Gemeinde Cento, die auch einige umliegende Dörfer umfasst, hat etwa 35.000 Einwohner und liegt ziemlich genau in der Mitte der Großstädte Bologna, Ferrara und Modena. Obwohl Cento zur Provinz Ferrara gehört, hat Cento die Telefonvorwahl von Bologna und liegt mit etwa 30km Entfernung auch näher an Bologna als an Ferrara. Wie in Italien üblich, spielen lokale Unterschiede eine wichtige Rolle: die Centesen fühlen sich, trotz der Zugehörigkeit zu Ferrara, eher bolognesisch und auch die lokale Mundart ist bolognesisch gefärbt.
Die Hin- und Hergerissenheit ist, wie sollte es anders sein, historisch bedingt. Cento war anfangs dem Bischof von Bologna und damit dem Kirchenstaat Untertan, bis Papst Alexander VI. (Rodrigo Borgia, verkörpert von Jeremy Irons in der US-Fernsehserie „Die Borgia“) 1502 Cento dem Herzog von Ferrara als Geschenk zur Hochzeit mit Alexanders Tochter Lucrezia Borgia überließ. Nach Alexanders Tod setzte ein mehrmaliges Hin und Her ein, bis Cento schließlich, mit dem gesamtem Herzogtum Ferrara, 1598 zum Kirchenstaat zurückkehrte. Das Herzogtum Ferrara verlor im Laufe des 16. Jahrhundert an Macht, ein schweres Erdbeben im Jahr 1570 hatte daran einen nicht unerheblichen Anteil.
Berühmtester Centese ist Giovanni Francesco Barbieri, genannt Guercino (der Schielende), bedeutender Maler des 17. Jahrhunderts. Ihm sind in der Stadt die zentrale piazza Guercino mit Denkmal und die Hauptstraße corso Guercino gewidmet. Die lokale pinacoteca beherbergt viele seiner Werke. Auch viele Vereine und Gewerbetreibende schmücken sich mit seinem Spitznamen. Witzigerweise nennt sich sogar ein Brillenladen hier Ottica Guercino...
Cento ist innerhalb Italiens durchaus auch überregional für seinen Karnival bekannt, der jedes Jahr an fünf Sonntagen im Februar und März mit Umzügen in der Altstadt gefeiert wird, wenn die Natur dem keine Hindernisse in den Weg legt. So fielen dieses Jahr die ersten beiden Karnevalssonntage aus, da es mehrfache ungewöhnlich heftige Schneefälle gab, die ein sicheres Durchführen der Umzüge und eine sichere Anreise der Teilnehmer und Gäste unmöglich machten.


Die winterliche Rocca (Festung) von Cento. Einige Stunden später war der Schnee auf über einen halben Meter aufgetürmt . Anhaltende starke Schneefälle sorgten dafür, dass dieser Zustand fast zwei Wochen bestand.
Bemerkenswert ist in Cento weiterhin ein (in dieser Gegend verbreitetes) tausendjähriges System der landwirtschaftlichen Nutzung, das bis heute besteht. Nach der Urbarmachung der sumpfigen Gebiete um Cento (im centesischen Wappen zeugt heute noch ein Flusskrebs von dieser Vergangenheit) wurde ein Rotationsprinzip eingeführt, bei dem das Land alle zwanzig Jahre unter den städtischen Urfamilien neu verteilt wird.
Wirtschaftlich bedeutsam ist in Cento aber auch die Industrie. Aus Cento stammt Ferruccio Lamborghini, der hier in Cento ein bedeutendes Traktorunternehmen gegründet hatte. Weltweit bekannt wurde der Unternehmer aber erst, als er nach einem Disput mit Enzo Ferrari, in Sant'Agata Bolognese, nicht weit von Cento entfernt, eine Sportwagenfirma erschuf.
Nachfolgend noch ein paar Bilder aus Cento, die ich im Mai 2011 gemacht habe.

Piazza Guercino – das Zentrum von Cento
Corso Guercino – die Hauptstraße von Cento
Am Corso liegt auch Casa Pannini aus dem 15. Jahrhundert - und gleich nebenan mein Wohnhaus (an dessen Seite sieht man oben mein Küchenfenster)

Erdbeben

Vielleicht sollte ich zum besseren Verständnis etwas weiter ausholen. Das weite Teile Italiens erdbebengefährdet sind, ist seit langem bekannt und es kommt auch immer wieder zu heftigeren Erdbeben, die viele Opfer und hohe Schäden anrichten. Die letzten verheerenden Erdbeben gab es 1976 im Friaul (nordöstlich von Venedig, nicht weit von Kärnten und Slowenien) mit fast 1.000 Toten, 1980 in Irpinia (östlich von Neapel) mit fast 3.000 Toten und 2009 im Abbruzzo (östlich von Rom) mit über 300 Toten. Dazwischen gab es immer wieder kleinere Erdbeben, bei denen die Opferzahl „nur“ zweistellig war. So wie jetzt hier in der Emilia.
Bis vor einigen Jahren galt die Poebene und damit auch die Emilia als nicht gefährdet. Dass Erdbeben vorkommen können, ist, ist eine relativ junge Erkenntnis, die im Großen und Ganzen nur unter Experten verbreitet war. Hinzu kommt, dass das Risiko als sehr gering eingestuft worden ist. Und selbst das schwere Erdbeben, dass 1570 Ferrara heimgesucht hatte, ist fast komplett in Vergessenheit geraten. Bezeichnenderweise existierte bis vor einigen Tagen in der italienischen Wikipedia kein Artikel dazu. Lediglich in der englischen Wikipedia gibt es dazu einen ausführlichen Artikel, anscheinend haben im englischen Sprachraum einige Leute die historischen Quellen besser ausgewertet als hier in Italien. Die Geschichtswissenschaft ist offenbar doch nicht so nutzlos, wie viele Menschen denken und hätte in dem Fall vielleicht ein paar Leben retten können, wenn man das Risiko besser eingeschätzt hätte.

Sonntag, 17. Juli 2011
Das erste Erdbeben meines Lebens habe ich an jenem Sonntag abends um halb neun erlebt. Es hatte eine Stärke von 4,7 auf der Richterskala. Das Epizentrum war etwa 30km nördlich von Cento direkt unter dem Fluss Po.
Ein ziemlich komisches Gefühl. Zu dem Zeitpunkt war ich in meiner Wohnung im 4. Stock. Natürlich spürt man die Erdstöße umso stärker, je höher man sich befindet. Es war ein Vibrieren, ein leichtes Zittern, dass einige Sekunden anhielt. Besonders erschrocken war ich nicht, eher fasziniert. Es war ja nicht besonders stark und ich dachte ja, dass ich in einem ungefährdeten Gebiet wohnen würde. Merkwürdig fand ich allerdings, dass sich das Epizentrum mitten in der Poebene befand. Ich war eher davon ausgegangen, dass man hier in Cento höchstens die entfernten Auswirkungen eines Erdbebens in den Bergen des Apennin spüren könnte.

Sonntag, 20. Mai 2012, 1:13 Uhr
Fast ein Jahr später zitterte wieder das Haus. Bereits nach ca. einer Viertelstunde war die Internetseite des zuständiges italienischen Instituts aktualisiert (http://cnt.rm.ingv.it/) und gab alle Daten bekannt: Stärke 4,1, Epizentrum in ca. 15km Entfernung in Finale Emilia, einer Nachbargemeinde nördlich von Cento. Naja, anschließend scherzte ich noch mit einer Freundin aus der Nähe von Cento, ob wir jetzt regelmäßig alle paar Monate kurz von so einem „Erdbeben“ getroffen werden würden. Kurz gelacht und ab ins Bett.

Sonntag, 20. Mai 2012, 4:03 Uhr
Etwa eineinhalb Stunden später wurde ich aus dem Schlaf gerissen. Ein enormer Lärm. Jetzt war es kein leichtes Zittern mehr: das ganze Haus wackelte und machte dabei angsteinflößende Geräusche. Es war, als ob ein ICE durch mein Schlafzimmer fuhr. Dass es sich um ein Erdbeben handelte, ein starkes noch dazu, war mir sofort klar. Was ich tun sollte hingegen nicht. Ich saß wie paralysiert auf meinem sich hin und her bewegenden Bett und wartete, dass es aufhörte. Nach zwanzig sehr langen Sekunden war es vorbei. Jetzt hörte man nur noch zig Alarmanlagen von Autos und Geschäften, aber nach und nach gingen die auch aus. Ich stand auf, machte das Licht an, sah in der Küche einen Topf, der nicht mehr auf dem Herd stand, sondern auf dem Fußboden lag und in der Dusche die Shampoos, die heruntergefallen waren.
Nichts dramatisches also. Das Erdbeben schien zwar heftig gewesen zu sein, aber da ich ja in einer ungefährdeten Zone war, meinte ich, dass es in Wirklichkeit nicht so stark gewesen sein kann. Erst später begriff ich die Ausmaße: Stärke 6,0 auf der Richterskala. Also Licht aus und weiter schlafen, ich hatte schließlich später eine Verabredung zum Mittagessen und wollte dann ausgeschlafen haben. Aber es ging weiter: 4:06 Uhr ein Erdbeben der Stärke 4,8. Eine Minute später 5,1. Um 4:11 Uhr und um 4:12 Uhr jeweils 4,3. Im Hausflur hörte ich die Nachbarn rumoren und machte auch meine Wohnungstür auf. Wir beschlossen schließlich, zur Sicherheit erst einmal das Haus zu verlassen. Wir wussten ja nicht, wie es weiter ging. Schnell zog ich ein paar Sachen über und schnappte mir die wichtigsten Dinge: Portemonnaie, Handy, Wohnungs- und Autoschlüssel, Zigaretten und Feuerzeug. Normalerweise hält bei meinem Gelegenheitsrauchen eine Packung im Schnitt einen Monat vor. An diesem Sonntag rauchte ich eine gerade angefangene Packung in wenigen Stunden fast leer...

Cento war mit dem Schrecken davongekommen. Lediglich einige Ziegelsteine, wie hier neben meinem Hauseingang, oder Deckenverkleidungen, wie neben Goethes Tafel, waren heruntergefallen.

Bis nach 11 Uhr war ich mit meinen Nachbarn draußen. Dort war bereits das volle Leben. Und innerhalb kürzester Zeit waren alle Kräfte im Einsatz: Feuerwehr, Polizei, Carabinieri und der Zivilschutz. Über das Handy konnte ich nun die ersten Meldungen im Internet lesen, wo von Einstürzen und Toten berichtet worden ist. Gegen 8 Uhr fuhr ich mit dem Auto einige Straßen in der näheren Umgebung ab und sah es nun mit eigenen Augen. Dieses Erdbeben war heftig. Die Wohnhäuser hatten den Stößen zwar weitgehend standgehalten, aber ich sah nun in nur wenigen Kilometern von Cento zerstörte Fabrikhallen, Kirchen und schließlich das Rathaus von Sant'Agostino, keine 10km von Cento.
Das Rathaus von Sant'Agostino wenige Stunden nach dem ersten Erdbeben. Was man auf dem Foto nicht sieht: das ganze Gebäude ist schief. Einige Stunden später stürzten bei einem der vielen Nachbeben weitere Teile der Außenwand ein. Aus dem inneren konnte die Feuerwehr mittels Kran einige Tage später einen wertvollen Kronleuchter bergen.
Nachdem ich mich nach 11 Uhr wieder in die Wohnung getraut hatte, versuchte ich anschließend etwas zu schlafen, die Verabredung zum Mittag hatte sich erledigt. Nach einigen Telefonaten schlief ich wohl so gegen 13 Uhr ein. Die vielen leichten Stöße, die den ganzen Tag über anhielten, nahm ich höchstens am Rande wahr. Aber um 15:18 Uhr wurde es wieder heftiger: 5,1, wieder hellwach und wieder runter auf die Straße. Nach einige Stunden und Zigaretten ging es wieder zurück in die Häuser. Es war ja nichts passiert. Um 19:37 Uhr gab mir ein Stoß von 4,5 den Rest. Diese Nacht würde ich nicht ruhig schlafen können. Ich packte einige Sachen, fuhr mit dem Auto zum Firmenparkplatz und habe die Nacht dann im Auto verbracht.
Die folgenden Tage hielten die Nachbeben zwar an, aber, wie alle anderen, lernte ich, damit zu leben und schon die Nacht von Montag auf Dienstag verbrachte ich in meinem Bett im vierten Stockwerk. Praktisch täglich wackelte es einige Male, aber was sollte schon sein. Das Haus hatte gehalten, es hatte nicht die geringsten Schäden davon getragen.

Dienstag, 29. Mai 2012, 9:00 Uhr
An diesem Morgen saß ich Büro und telefonierte gerade mit meinem Chef. Es fing ganz leicht an, wie eines dieser unzähligen Nachbeben. Mitten im Gespräch hielt ich inne und sagte nur „Oh Cazzo!“ (Oh Scheiße!). Die Antwort vom anderen Ende der Leitung kam prompt: „Erdbeben!“ - „Ja, und jetzt wird es heftig!“ Ich versuchte, aus dem Büro zu fliehen, dazu musste ich durch unseren Showroom, wo jedoch bereits einige Ausstellungstücke hin und her schwankten, sich Teile der Deckenverkleidung lösten und sogar einige Ziegelsteine hinab fielen. Also blieb ich erst einmal im Büro, schaute nur nach oben und zu den Schränken, um ausweichen zu können. Es löste sich noch ein Panel aus der Trennwand und fiel auf einen der Schreibtische. Dann war Ruhe. Nun hörte man nur noch Schreckensschreie aus den Nachbarbüros. Ich konnte endlich raus und draußen versicherten wir uns gegenseitig, dass alles okay war. Eine der Lagerhallen in unserem kleinen Gewerbegebiet hatte zentimetertiefe Risse und gilt seitdem als einsturzgefährdet. Ein weiteres Beben könnte ihr den Rest geben.

Es sieht schlimmer aus, als es ist: unser Büro nach dem Erdbeben.
Anschließend fuhr ich mit dem Fahrrad nach Hause. Dort traf ich bereits auf meine Nachbarn, die vollkommen geschockt vor dem Haus standen und von Verwüstungen und Rissen in den Wohnungen sprachen. Passiert war ihnen aber nichts. Nach einiger Zeit fuhr ich zurück zum Büro, wo zwischenzeitlich mein Chef eingetroffen war. Die Fahrt mit dem Fahrrad durch das Stadtzentrum fühlte sich an wie im Film. Überall lagen herabgefallene Steine herum, Leute irrten umher, Uniformierte sprachen in Funkgeräte, Sirenen heulten ohne Unterlass.

Diese Stelle fotografierte ich mit dem Handy auf dem Rückweg zum Büro. Die Spitze einer Kirche fiel hier auf die Kreuzung. Wie ich später erfuhr, wurde an dieser Stelle eine Radfahrerin von den Steinen getroffen. Sie lag noch einige Tage im Koma, bis sie starb.
Aus dem Büro evakuierten wir dann einige technische Gerätschaften und inspizierten die Wände, die nur wenige oberflächliche Risse aufwiesen.
Im Büro dabei hatte ich meine Sporttasche mit Schwimmsachen, da ich in der Mittagspause schwimmen gehen wollte. Die Schwimmsachen packte ich nun in mein Auto, das ich immer am Büro parke. Mit der leeren Sporttasche fuhr ich zurück zu meiner Wohnung. Ich wollte einige Sachen packen und dann verschwinden. T. aus Savona bot mir an, einige Tage zu ihm zu kommen, bis sich die Lage beruhigen würde.
Schon für die Fahrt zurück mit dem Fahrrad musste ich Umwege in Kauf nehmen, da bereits einige Straßen gesperrt wurden. An meiner Straße angekommen, sah ich, dass jetzt auch meine Straße dazu gehörte. Der Zivilschutz hatte in der Zwischenzeit die komplette Altstadt evakuiert und ließ keinen mehr rein. Zuerst bestanden die Absperrungen nur aus rot-weißen Bändern, gegen 14 Uhr wurden schließlich Zäune aufgestellt.
Ich fuhr schließlich mit dem Fahrrad zurück zum Büro. Nach Rücksprache mit meinem Chef schnappte ich den Firmenlaptop, einige Unterlagen, ließ das Fahrrad dort und setzte sich mit ins Auto. Ziel war Savona. In 300km Entfernung war ich vor Erdstößen sicher. Am Abend in Savona angekommen, ging ich noch in ein Einkaufszentrum und kaufte mir Zahnbürste und ein paar Wechselklamotten. Ich war praktisch vorübergehend obdachlos. Am Mittwoch hatte ich bei T. mein provisorisches Büro eingerichtet und war einsatzbereit.

Samstag, 2. Juni 2012
Nach vier Tagen fuhr ich wieder nach Cento zurück. Meine Nachbarn bestätigten mir telefonisch die Angaben von der offiziellen Internetseite Centos, dass unser Teil des Corso wieder zugänglich war und die gesperrte Zone verkleinert wurde. Fachleute hatten unser Wohnhaus und die Wohnungen meiner Nachbarn begutachtet und das Haus für sicher erklärt. Das Haus hätte bisher den Stößen standgehalten, die Struktur sei intakt und das Haus würde auch weitere Stöße verkraften. Die Risse hier und da seien nur oberflächlich und eher ein ästhetisches Problem. Nach den Beschreibungen über das Chaos, das meine Nachbarn in ihren Wohnungen vorfanden, war ich auf das Schlimmste gefasst. Vor meinem inneren Auge sah ich umgestürzte Kleiderschränke, zerstörtes Geschirr und vieles mehr. So schlimm war es aber nicht, als ich die Wohnungstür öffnete.

Der schwarze Lautsprecher stand eigentlich auf dem Küchenschrank, hat den Sturz aber überlebt. Der Fernseher hingegen ist hin. Das bayerische Bierglas mit den Fahnen stand zwar bedrohlich nah an der Kante, blieb dort aber stehen und hinderte noch ein Thermometer am Absturz.
Es hätte schlimmer kommen können. Was man auf dem Foto schlecht erkennt, ist, dass die ganze Küchenzeile um ca. drei cm von der Wand absteht. Außer dem Fernseher habe ich keine weiteren Schäden zu beklagen.

Gerüchte und Verschwörungstheorien
Erschreckend an solchen Ereignissen ist, wie schnell in der Stadt Gerüchte die Runde machen. Nach dem zweiten Beben berichteten mir meine Nachbarn von drei Toten allein in Cento (das einzige Opfer starb erst eine Woche später), vom eingestürzten Theater (an dem ich zwei Minuten vorher mit dem Fahrrad vorbeigefahren war) und von der eingestürzten Schwimmhalle (die ich einige Minuten später ebenfalls von außen intakt vorfand).
Außerdem sind nicht wenige Menschen hier überzeugt, dass das Erdbeben viel stärker als angegeben war. Grundlage für diese Überzeugung ist ein Gesetz, nachdem der italienische Staat Erdbebenschäden komplett ersetzen muss, die bei Erdstößen einer Stärke von mindestens 6,0 auftreten. Das erste Erdbeben vom 20. Mai wurde anfangs auch erst mit 5,9 angegeben und erst nach neueren Berechnungen später auf 6,0 korrigiert. Das zweite Erdbeben haben alle in Cento als stärker empfunden, obwohl es nach den Angaben theoretisch schwächer war (Stärke 5,8 statt 6,0; Epizentrum einige km weiter entfernt; Hypozentrum in größerer Tiefe: 10 statt 6km; Dauer nur 10 Sekunden statt 20). Tatsächlich aber hat Cento im zweiten Erdbeben starke Schäden erlitten und im ersten nicht. Mein Fernseher hatte das erste Beben überstanden.
Daher gehen viele Menschen hier davon aus, dass die Regierung lügt, um sich aus der Verantwortung zu stehlen. Allerdings müsste der Arm der italienischen Regierung schon sehr weit reichen. Auch die deutschen (GFZ Potsdam!) und amerikanischen Institute bestätigen die 5,8 des zweiten Bebens. Der Unterschied liegt in der Charakteristik des Bebens. Das erste Beben hatte nur vertikale Stöße zur Folge, das zweite allerdings sowohl vertikale Stöße als auch horizontale Bewegungen. Die Verschwörungstheoriker werden aber nicht allein damit widerlegt, sondern durch ihre eigene Maßlosigkeit. Sie meinen, das zweite Beben hätte eine Stärke von 7,3 gehabt. Dann stünde in der weitgehend unvorbereiteten Emilia aber wahrscheinlich kein Stein mehr auf dem anderen.

Folgen
Die Folgen der Beben werden die Region auf Jahre begleiten. In allen von den betroffenen Gebieten gibt es Zeltstädte, weil viele Wohnhäuser als unsicher eingestuft worden sind oder vom Einsturz anderer Gebäude bedroht sind. Ungefähr 15.000 Menschen sind obdachlos. Von einem Moment auf den anderen. Man kann sich nur schwer vorstellen, wie ein wenige Sekunden langer Moment das Leben eines ganzen Landstrichs auf den Kopf stellt.
In Cento selbst sind noch immer weite Teile der Innenstadt gesperrt. Mein Arbeitsweg mit dem Fahrrad hat sich verlängert und besteht aus einem Slalom zwischen den Absperrungen. Hinweisschilder bitten um das langsame Befahren (!) der Arkadengänge, verbieten es aber nicht. Die Gemeindeverwaltung wurde ausgelagert, die Piazza ist nur durch einen schmalen Korridor passierbar. Die Schäden sind erheblich und Cento liegt nur am Rand des betroffenen Gebietes. Ausgerechnet während der Krise verschärft sich noch die wirtschaftliche Lage.

Die Piazza Guercino mit dem Palazzo del governo – zwei der Zinnen sind beim Erdbeben abgestürzt, die anderen wurden abgebaut und stehen nummeriert vor dem Gebäude.
Die Pinacoteca, in der sich viele Werke des Guercino befinden, ist teilweise einsturzgefährdet, die Werke wurden in Sicherheit gebracht. Einige Risse sind auch von außen zu sehen.
Die Kirche von Buonacompra (Dorf im Gebiet der Gemeinde Cento).
Wirtschaft
Während das erste Beben in der Nacht zugeschlagen hatte, schien das zweite Erdbeben genau auf den Beginn des Arbeitstages zu warten. Und damit hatte das zweite Beben deutlich mehr Opfer gefordert als das erste (20 statt 7). Aber nicht nur viele Menschen fielen den einstürzenden Fabrikhallen zum Opfer. Für viele Unternehmen bedeutet das Beben den Ruin. Und damit werden in der Gegend viele Arbeitsplätze wegfallen. Andere Unternehmen erwägen ernsthaft, ihre Standorte anderswo neu aufzubauen. Und wenn man schon dabei ist, warum nicht gleich im Ausland...
Der Staat ist in dieser Situation, wie so oft, keine große Hilfe. Zwar stellt er Gelder zur Verfügung, um mit der Notfallsituation umgehen zu können, er setzt auch einige Steuern aus (ich werde die nächsten Monate etwas mehr netto vom brutto haben), er gibt sich etwas großzügiger bei Sozialleistungen und wird wohl den Wiederaufbau finanzieren. Aber auf der anderen Seite wurde beispielsweise ein Dekret erlassen, dass den Unternehmen mit sofortiger Wirkung die alleinige Verantwortung für die Erdbebensicherheit der Gebäude überträgt. Was bis gestern baugenehmigt war, ist jetzt nicht mehr gültig. Sollte wieder etwas passieren, ist der Sicherheitsbeauftragte der Firmen straf- und zivilrechtlich verantwortlich für die Sicherheit der Mitarbeiter. Er kann allerdings einen Erdbebenexperten zu Rate ziehen, der selbst die strafrechtliche Verantwortung übernimmt und die Sicherheit der alten Gebäude nach den neuen Normen zertifiziert. Und den wird er nicht finden. Da die Regierung auch keine Übergangsfrist vorsieht, stehen damit viele Sicherheitsbeauftragte, die meist auch nur Angestellte sind, mit einem Bein im Knast. Wie gehen sie damit um? Sie ignorieren kurzfristig das Risiko und lassen die Firma weiterarbeiten. Oder sie zwingen die Angestellten dazu, auf eigenes Risiko weiterzuarbeiten und lassen sich das unterschreiben. Dann laufen aber die Gewerkschaften Sturm. Oder sie lassen die Firma zusperren und machen damit sich selbst und die Mitarbeiter arbeitslos.
Mein Nachbar beispielsweise arbeitet für eine Modekette, deren Filiale in Cento seit dem zweiten Beben geschlossen ist. Die Firmenzentrale weigert sich, das Risiko einzugehen und versetzt ihn jetzt erst einmal vorläufig in eine andere Stadt (ca. 300km südöstlich).
Ausgedacht hat sich diese einseitige Verantwortungszuweisung der Präsident des Zivilschutzes. Dazu sagte er, dass er wüsste, was er machen würde, wenn er zwischen der Rettung von Menschenleben und der Rettung des Spread (des Abstandes zwischen deutschen und italienischen Zinsen der Staatsverschuldung) wählen würde. Ich finde, er macht es sich damit etwas zu einfach.
Sollte mir also bei einem weiteren Beben etwas passieren, dann ist mein Chef dran. Das wissen wir beide und hoffen, dass es nicht dazu kommen wird. Alternativ, wenn ihm das Risiko zu hoch ist, könnte er unser Büro schließen. Habe ich daran ein Interesse?

Der Corso, wo ich wohne, ist derzeit für den Autoverkehr komplett, für alle anderen teilweise gesperrt, am Beginn der Straße machen die Geschäfte auf sich aufmerksam, die offen sind.
Trostlos ist momentan auch die Situation für die Ladeninhaber in der Altstadt. Meine Straße hat durch die Absperrungen in der Innenstadt ihre Rolle als Stadtzentrum verloren. Selbst für Fußgänger und Radfahrer ist der Corso teilweise eine Sackgasse. Die Umsätze gehen dramatisch zurück, der wöchentliche Markt findet seit einiger Zeit nicht mehr statt und wird umziehen. Viele Läden sind geschlossen und damit verschärft sich die Situation für die anderen noch mehr. Auch der fehlende Autoverkehr kostet Umsatz und viele Menschen trauen sich aus Angst sowieso nicht mehr in die Altstadt.
Die für die lokale Wirtschaft so wichtigen Feste wurden erst einmal gestrichen. Der Settembre centese, ein wochenlanges Volksfest, wird nicht stattfinden. Ob nächstes Jahr der Karneval gefeiert werden kann, der Gäste von weither anlockte, ist derzeit eher unwahrscheinlich.

Nachbeben
Wahrscheinlich kann man es sich nicht vorstellen, was es vor Ort bedeutet, wenn man in den Medien von Nachbeben erfährt. Dazu gebe ich Euch mal folgende Grafiken des INGV, dem italienischen Institut, das Erdbeben analysiert.

Die Grafik zeigt die täglichen Beben seit Beginn der Erdbebenserie bis 16. Juni, 15:31 Uhr. Links die Anzahl der täglichen Beben, rechts die Gesamtzahl der Beben, unten die Tage. Oben sind mit den Farben die Stärken der Beben erklärt.
Und hier die Karte des Erdbebengebietes. Die kleinen Kreise sind Beben bis Stärke 3,0, die mittleren bis 4,0, die großen bis 5,0. Die Sterne sind die Beben stärker als 5,0. Je nach Entfernung spürt man die Beben ab etwa 3,0-3,5. Cento habe ich mit einem roten Viereck markiert.
Zusammengefasst gab es bis gestern Nachmittag bisher 7 Beben stärker al 5,0, 27 Beben zwischen 4,0 und 5,0 und 177 Beben zwischen 3,0 und 4,0. Und es geht munter weiter. Manche Erdbeben spürt man förmlich ankommen. Es gibt so ein leichtes Dröhnen, das der Bebenwelle vorauseilt. Dann kann man sich daraus einstellen, das es in 2-3 Sekunden wieder kurz wacklig wird. Kurz innegehalten und wieder ist der Ruck überstanden. Daraus entwickelt sich bei vielen Menschen, mich eingeschlossen, schon eine Paranoia. Man spürt Stöße, die nicht da sind, neulich bin ich zusammengefahren, als jemand sein Motorrad angelassen hat. Selbst die paar Tage, die ich im vollkommen ruhigen Savona war, meinte ich einige Stöße vernommen zu haben.
Das Erdbeben von 1570, das jetzt so eifrig analysiert wird, ähnelt in seiner Charakteristik übrigens stark den aktuellen Vorgängen. Auch damals war es nicht ein Beben, sondern eine Erdbebenserie. Sie hielt vier Jahre lang an. Das Gröbste war damals aber schon nach sechs Monaten überstanden.

Wir haben schon mal einen Monat hinter uns.

Saluti